TORFALTERNATIVEN

Torfersatzstoffe

Torfersatzstoffe sind organische oder mineralische Materialien, die anstelle von Torf in der Substratherstellung verwendet werden können.

Grüngutkompost

Grüngutkompost
Grüngutkompost besteht vor allem aus privatem und gewerblichem Grünschnitt, beispielsweise aus Gärten oder Parks.

Aufgrund des hohen Gewichts und den damit verbundenen Transportkosten wird Grüngutkompost häufig lokal bezogen und erfüllt somit größtenteils gängige Umwelt- und Sozialstandards in Europa. Die Treibhausgasemissionen von Grüngutkompost lassen sich vor allem auf den Kompostierungsprozess sowie die vergleichsweise hohen Transportemissionen aufgrund des hohen Transportgewichts zurückführen.

Holzbasierte Torfersatzstoffe

Holzfasern
Holzbasierte Torfersatzstoffe wie Holzfasern oder Rindenhumus werden aus Nebenprodukten der Holzindustrie wie Holzhackschnitzel und Rinde, die bei der Herstellung von Schnittholz in Sägewerken anfallen, hergestellt.

Das Rohholz der in Europa produzierten Torfersatzstoffe stammt derzeit größtenteils aus europäischen Nadelwäldern. Aufgrund der bestehenden Gesetzeslage sowie großen Anteilen an FSC- oder PEFC-zertifizierten Wäldern und Sägewerken kann in Mitteleuropa weitestgehend von einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder ausgegangen werden. Mögliche Holzimporte aus Ländern mit höherem Nachhaltigkeitsrisiko sind jedoch insbesondere in Zukunft nicht auszuschließen. Risiken wie Biodiversitätsverluste durch eine intensivere wirtschaftliche Nutzung von Wäldern, mangelnde Arbeitssicherheit oder Missachtung von Landnutzungsrechten werden unter HORTICERT berücksichtigt.

Kokosbasierte Torfersatzstoffe

Kokosschalen
Kokosbasierte Torfersatzstoffe sind Nebenprodukte aus der Kokosnussindustrie und werden aus der Schale der Kokosnuss gewonnen.

Kurze Kokosfasern und Kokosmark für die Substratindustrie sind Nebenprodukte aus der Kokosfaserherstellung für Matratzen, Seile oder Dämmmaterial für die Autoindustrie. Alternativ kann auch die ganze Schale zu Kokosfasern, -mark und -chips für die Substratindustrie verarbeitet werden. Kokosbasierte Torfersatzstoffe für den europäischen Gartenbau stammen hauptsächlich aus Indien und Sri Lanka.

Damit HORTICERT die Nachhaltigkeit dieser Produkte gewährleisten kann, müssen insbesondere ökologische und soziale Kriterien entlang der gesamten Lieferkette berücksichtigt werden.

Mehr Informationen zur Nachhaltigkeit von kokosbasierten Torfersatzstoffen finden Sie im beigefügten Informationsblatt:

Weitere organische Torfersatzstoffe

Torfmoos (Sphagnum)
Weitere organische Torfersatzstoffe werden derzeit nur in geringen Mengen eingesetzt, könnten aber zukünftig an Relevanz gewinnen.

So wird beispielsweise an der Kultivierung von Sphagnum (Torfmoos) geforscht, welches vielversprechende, dem Torf ähnliche gartenbauliche Eigenschaften aufweist. Weitere mögliche organische Ausgangsstoffe sind beispielsweise Reisspelzen, Hanffasern oder Miscanthus. In zahlreichen Forschungs- und Entwicklungsvorhaben unter Projektträgerschaft der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. werden die Potenziale weiterer organischer Torfersatzstoffe untersucht.

Mineralische Torfersatzstoffe

Bims

Mineralische Torfersatzstoffe wie Blähperlit, (Bläh-)Ton oder Bims werden derzeit in relativ geringen Mengen eingesetzt, haben jedoch durchaus das Potential einen relevanten Volumenanteil in Substraten auszumachen und somit Torf teilweise zu ersetzen.


Der deutsche Kultursubtratmarkt 2022*

Quelle: IVG (2023)

Bei den am deutschen Markt nachgefragten Hobby- und Profisubstraten ist der Torfanteil seit 2013 um über 10 % gesunken und liegt aktuell bei 55 %. In Deutschland ist Grüngutkompost mit einem Anteil von 22 % (1,4 Mio. m3) der wichtigste Torfersatzstoff, gefolgt von Holzfasern mit 13 % (0,9 Mio. m3). Mineralische Ausgangsstoffe und kokosbasierte Produkte sind bislang nur von untergeordneter Relevanz.  

Mit der voranschreitenden Torfreduktion wird die Nachfrage nach Torfersatzstoffen in den kommenden Jahren voraussichtlich deutlich steigen, um die benötigten Substratmengen weiterhin produzieren zu können.